Ziel-Leistungs-Vereinbarungen 2014/2015

Ausgangssituation:

Ausgehend von der zunehmenden Heterogenität unserer Schülerschaft hat sich das Kollegium die Frage gestellt:

Was bedeutet kompetenzorientiertes Lernen unter Berücksichtigung unserer Leitidee „Bündelung der Kompetenzen aller Teammitglieder und Eltern zur bestmöglichen Förderung der einzelnen Schülerinnen“?

Wir fördern an unserer Schule Schülerinnen und Schüler…

  • mit primär diagnostiziertem Förderbedarf in der körperlichen und motorischen Entwicklung,
  • mit zusätzlichem Förderbedarf geistige Entwicklung, Lernen, Sprache, Verhalten, Wahrnehmung und Konzentration,
  • mit schwersten Behinderungen, deren umfangreiche Pflege als pädagogischer Auftrag verstanden wird und zum Standard gehört,
  • mit psychischen Störungen, die über den Haus- und Krankenhausunterricht zu uns kommen,
  • mit Autistischen Spektrumsstörungen (ASS)
  • mit unklarer Genese, für die Regelklassen eine Überforderung darstellen und die dort weder gefördert noch integriert werden können,
  • die aus I-Klassen nach der Grundschulzeit zurückkommen, weil dort die sonderpädagogische Förderung als unzureichend eingeschätzt wurde und/ oder die soziale Integration nicht gelungen ist.

Diese Tatsache stellte uns vor große Herausforderungen, denn wir wollen dem Anspruch des individualisierten Lernens mit dem Ziel der Selbständigkeit sowohl in der körperlichen und motorischen als auch in der kognitiven und sozialen Entwicklung gerecht werden, wie wir es auch in den Förderplänen verankert hatten.

Ziel der aktuellen Ziel-Leistungs-Vereinbarungen:

Schulinternes Curriculum auf der Basis von Kompetenzlernen

Zielbeschreibung:

Konsensbildung des Kollegiums zum Kompetenzlernen in der Unter-Mittel-und Oberstufe und Entwicklung von lebensbezogenen Handlungsfeldern

Vorhaben/ Maßnahmen – Indikatoren der Zielerreichung:

1. Schulinterne Fortbildungen zum gemeinsamen Verständnis des Kollegiums von Kompetenzlernen durch das LI u.a. sind erfolgt, außerdem hat es weitere schulinterne Fortbildungen zum Thema gegeben.

2. Das Kollegium hat sich für folgende Leitkompetenzen entschieden und betrachtet sie für ihre Arbeit als verbindlich:
Personale und Soziale Leitkompetenzen Übersicht), die die Voraussetzung
für methodische und fachliche Kompetenzen sind.

3. Diese Schwerpunktsetzung findet sich in der Förderplanarbeit wieder.
Leitkompetenzen sind im Förderplanformular der Klasse 1
aufgenommen und das Vorgehen wird erprobt.
Außerdem gibt es seit 2013/ 14 einen Projekttag in der Oberstufe mit
Bezug zu den Leitkompetenzen.

4. Die Schule orientiert sich an dem Bildungsplanentwurf für die Schulen mit
dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung Brandenburg/ Berlin und hat
sich auf 6 Leitthemen verständigt:

  1. Der Mensch im Alltag
  2. Der Mensch und die Arbeit
  3. Der Mensch und die Gesundheit
  4. Der Mensch und die Gesellschaft
  5. Der mobile Mensch
  6. Der Mensch in der Natur
Begründung:

Diese Leitthemen sind gut geeignet, um alle Grundfragen der Lebensrealitäten der SuS aufzugreifen und dadurch eine kompetenzorientierte Arbeitsweise mit entsprechendem Lebensweltbezug und lebenspraktischer Handlungsorientierung zu ermöglichen.

Dies kann i.d.R. nicht mit den auf Schulstufen bezogenen Inhalten und Methoden der traditionellen Unterrichtsfächer abgebildet werden. Schulisches Lernen, dass den SuS unserer Schulform gerecht werden soll, muss sich mit sehr fundamentalen Fragen der Lebensrealität der Lernenden auseinandersetzen. Unter Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse und Voraussetzungen, soll das schulische Lernen dazu beitragen, das die SuS die sie umgebende Lebenswirklichkeit aus verschiedenen Perspektiven wahrnehmen und als komplexeren Zusammenhang erleben/ erkennen/ verstehen. Dazu gehört es auch, sich auf der konkreten Ebene mit den Beeinträchtigungen und Besonderheiten des eigenen Lebens auseinandersetzen.

Konsequenzen für die Unter-, Mittel- und Oberstufe:

Die spezifischen Lern- und Entwicklungsverläufe (-biographien) unserer Schülerinnen und Schüler verlaufen selten kontinuierlich und altersentsprechend. Aufgrund der physischen und kognitiven Einschränkungen und der häufig damit verbundenen sozial-emotionalen und psychischen Erschwernisse, sind diese Verläufe individuell sehr verschieden und die jeweiligen Entwicklungen selten prognostizierbar. Wir halten auf diesem Hintergrund unser Häuserstufenmodell dennoch für sehr sinnvoll. Bei allen bestehenden Unterschieden in den Entwicklungstempi der Einzelnen, existiert ebenso eine übergeordnete Aufgabenstellung für die pädagogische Arbeit mit den verschiedenen Altersstufen.

Unterstufe

In der Unterstufe beginnen die Schülerinnen und Schüler ihr Leben in der Schule und mit der Schule. Die Abläufe werden kleinschrittig mit Hilfe von Regeln und Ritualen kennengelernt, geübt und verinnerlicht.

Die Schwerpunkte sind zunächst das gegenseitige Kennen lernen und die Entdeckung des Schulalltags, der geprägt ist durch vielfältige Aktivitäten und Erfahrungen, die dem Erwerb individueller grundlegender Kompetenzen in allen Entwicklungsbereichen dienen.

Es gibt klassenbezogene und klassenübergreifende Unterrichtsangebote. Die Lernangebote sind vielfach mit Bewegungsaufgaben verbunden, die sich an den therapeutischen Zielsetzungen orientieren, so dass die pädagogischen und die therapeutischen Fördermaßnahmen eng miteinander verbunden sind.

Mittelstufe

In der Mittelstufe, ab Klasse 5, nehmen die Schülerinnen und Schüler an dem nach Fähigkeit und Leistung eingeteilten klassenübergreifenden Kurssystem (Mathe, Deutsch, Elementare Förderung und z.T. Englisch) teil.

Neben den Kulturtechniken wird die Selbstständigkeit in verschiedenen lebensrealitätsbezogenen Zusammenhängen verstärkt geübt. Alles, was an Regeln und Wissen in den ersten Jahren gelernt wurde, wird möglichst viel und so selbstständig es geht eingesetzt, gefestigt und erweitert.

Die Mittelstufe ist nicht zuletzt auch die Zeit, in der man vom Primarkind zum Jugendlichen heranwächst. Auch die Thematik der beginnenden Pubertät und der damit veränderten psychischen und physischen Entwicklung sowie der veränderten Anforderungen der Umwelt einschließlich bevorstehenden Rollenwechsels wird zum Gegenstand des Lernens.

Oberstufe

In der Oberstufe (Klasse 8-10) stehen die Selbständigkeit und die Berufsorientierung im Mittelpunkt der Arbeit. Der klassenübergreifende Unterricht nimmt einen breiten Raum ein. Die Schüler und Schülerinnen lernen und arbeiten abwechselnd in heterogenen Gruppen (z.B. in der Klasse, im Projektunterricht) und in leistungshomogenen Gruppen (Englischkurs, sog. Fachtag). In jedem Schuljahr wird ein 2-3wöchiges Betriebspraktikum absolviert.

Perspektiven und weiteres Vorgehen:

Erarbeitung stufenübergreifender Ziele…

  • inhaltliche und methodische Weiterarbeit an den kompetenzorientierten Förderplänen
  • Entwicklung einer Handreichung zur Förderplanerstellung
  • Auswahl stufenbezogener Handlungsfelder unter Berücksichtigung der Leitthemen

In 2014 /15 wird es schulinterne Fortbildungen geben:

  • Pädagogische Jahreskonferenz
  • 12 schulinterne Fortbildungen in den Klassen- und Hausteams
Download:

Kompetenzmodell Kurt-Juster-Schule