Bericht einer Mutter

Inklusion? Sonderschule? Diese Schule für mein Kind?

Vielleicht gehören auch Sie zu den Eltern, die unsicher sind, ob sie ihr Kind an einer Schule wie der unsrigen oder eher an einer Regelschule einschulen sollten.  Wir Eltern einer Schülerin der Kurt-Juster-Schule möchten Sie ansprechen und Ihnen Mut zu und Lust auf unsere Schule machen.

Die Chancen und Möglichkeiten der „Inklusion“ von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf an Regelschulen werden in der öffentlichen Diskussion oft den speziellen Sonderschulen gegenübergestellt, als ob beide Modelle nichts miteinander zu tun hätten.

Dies sieht in der Praxis aber anders aus:

  • Die Kurt-Juster-Schule als „Schule für körperliche und motorische Entwicklung“ bietet einer sehr vielfältigen Schülerschaft ein schulisches Angebot, das in hohem Maße die Arbeit mit individuell erstellten Förderplänen und den Integrationsgedanken (das gemeinsame Lernen unterschiedlichster Kinder) miteinander verbindet.
    Kinder mit motorischen und körperlichen Beeinträchtigungen sowie Kinder mit erheblichen Entwicklungsverzögerungen lernen an unserer Schule gemeinsam im Klassenverband, arbeiten aber auch in jahrgangsübergreifenden Projekten, Differenzierungsgruppen und AGs mit Schülern und Schülerinnen zusammen, die auf einem ähnlichen Leistungsniveau sind, ähnliche Bedürfnisse oder gut vereinbare Kompetenzen mitbringen.
  • Das Therapiezentrum unserer Schule sucht seinesgleichen:
    Ergo- und PhysiotherapeutInnen mit zahlreichen unterschiedlichen Qualifikationen – und immer miteinander im Gespräch – können darauf reagieren, was ein Kind braucht und was und wer es in Einzeltherapie (Unterstützte Kommunikation für kaum/nicht sprechende Kinder, Ergo- und Physiotherapie), im Klassenverband und in Kleingruppen (z.B. Reittherapie, Schwimmen) fördern kann, ohne auf nur wenige Methoden festgelegt zu sein.
    Das ist sogar noch wichtiger und schöner als die Turnhalle mit Kletterwand, das Schwimmbad mit Hubboden, die Gerätelandschaft des Schulhofes etc.
    Die Therapeuten bieten alljährlich Skireisen (Langlauf und für Rollifahrer Monoski), Reiterreisen, eine Reise für die Handbike-Fahrer und die Teilnahme an zahlreichen Sportfesten wie Lauf-, Paddel-, Schwimmveranstaltungen an.
    Außerdem stehen die TherapeutInnen jederzeit beratend zur Seite, wenn Unterstützung bei der Hilfsmittelversorgung benötigt wird, machen beispielsweise während der Schulzeit gemeinsame Termine mit den Sanitätshäusern.
  • An der Kurt-Juster-Schule bietet der Elternverein „Leben mit Behinderung Hamburg“ einen Ferienhort an. Unsere Schule gehört nicht nur zu den ersten, die sich als Standort für eine solche familienentlastende Maßnahme zur Verfügung gestellt haben, sie kann diese Ferienbetreuung auch in besonders hohem Umfang gewährleisten: An unserer Schule können 8 Wochen Ferienbetreuung angeboten werden (4 Wochen in den Sommer-, je 2 Wochen in den Herbst- und den Frühjahresferien).
  • Unsere spezielle Sonderschule ist kein Ort der Ausgrenzung vom „normalen“ Leben sondern eine Fachschule, ein Kompetenzzentrum:
    Die kleinen Klassen (8-12 SchülerInnen) werden immer von einem multiprofessionellen Team unterrichtet und gefördert, zu dem in der Unterstufe zwei Klassenlehrerinnen (Sonderpädagoginnen), eine Physiotherapeutin bzw. eine Ergotherapeutin und eine Erzieherin gehören, die bei Bedarf zusätzlich von einer Schulkrankenschwester und von FSJ-lern unterstützt werden können. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der individuellen, kompetenzorientierten Förderung, was übrigens die Schulinspektion mit der höchsten Bewertung bestätigt hat. Natürlich fördert und „behütet“ die Sonderschule hier mehr als eine Regelschule leisten kann, aber:
  • Die Schule bleibt durchlässig:
    Wenn ein Kind sich so entwickelt, dass es sich als Inklusionskind in den größeren Klassenverbänden einer Regelschule wohlfühlen und weiter entfalten kann, so kann es in Absprache mit den Eltern umgeschult werden – seit 2010 hat die Schule 7 Schüler und Schülerinnen in die Inklusion umgeschult.
  • Zur Erfahrung dieser Schulgemeinschaft gehört auch, wie traurig und belastend es für Kinder ist, sich an einer Regelschule womöglich immer als schwächstes Glied erlebt und die eigenen Schwächen bestätigt bekommen zu haben, aber wie ermutigend für die Teilhabe am gesamtgesellschaftlichen Leben, wenn man sich in seiner Schule als sozial kompetent erleben und dies dann in sein Selbstbewusstsein integrieren kann. Und das bedeutet eine nachhaltige Inklusion unserer Kinder.

Aber am besten lassen Sie die Schülerinnen und Schüler selbst für sich sprechen. Machen Sie einen Termin, kommen Sie einfach vorbei und lassen die Eindrücke auf sich wirken.

Julia Schön-Wittke, Mutter einer Tochter in der derzeitigen Klasse 5 der Kurt-Juster-Schule September 2013